Porsche 911 Carrera in Silber von schräg links hinten Foto: Driven Luxury Cars
Artikel Erstellt Aktualisiert

Wo die Welt noch in Ordnung ist

Fahrbericht: Porsche 911 (992) Carrera im Test 2019

Ist das Einstiegsmodell Porsche 911 Carrera in Zeiten des PS-Wettrüstens ein echter Sportwagen? Wir haben ihn getestet

Mit Kinderaugen betrachtet ist die Welt noch in Ordnung. Die Begeisterung für den Porsche 911 ist wohl kaum irgendwo höher als in dieser Altersklasse. Die staunenden und hocherfreuten Gesichter und die grinsenden und begeisterten Münder, die einem entgegenblicken, wenn man zum Beispiel auf Parkplatzsuche an einer Gruppe Kindergartenkinder auf Spaziergang vorbei fährt, bestätigen jeden Porsche-Fahrer in der kindlichen Freude, die dieses Auto auch bei Erwachsenen auslöst. Von der Klimadebatte haben die Kleinen vermutlich noch nicht so viel mitbekommen. Vom Porsche 911 anscheinend schon. Sie wissen, dass es da ein besonderes Auto gibt, das für Emotion und Spaß steht, das aber für viele heute auch Sinnbild der Unvernunft sein dürfte. Zeit, den Porsche 911 in der Einstiegsversion Carrera einem Test in der Wirklichkeit zu unterziehen.

Porsche 911 Carrera in herbstlich-grauer Landschaft
Foto: Driven Luxury Cars

Das Design des Porsche 911 Carrera ist sportlich-scharf

Als erstes fällt auf, dass das seit 1963 fortgeführte Design auch bei der neuesten Generation 992 wieder betörend gut gelungen ist. Die Proportionen, die wohlgeformten Rundungen treffen auf sportlich-scharfe Linien und bilden eine absolut stimmige Gesamtanmutung. Ein Elfer ist optisch schon sehr sportlich, dabei aber nicht aufdringlich oder marktschreierisch. Er ist ein eleganter Gentleman. Das gilt umso mehr für die wunderbare Farbkombination unseres Testwagens: Dolomitsilbermetallic außen und Clubleder in Trüffelbraun innen sind sehr harmonisch und edel. Innen aber ist nicht alles optimal gelöst. So war ich anfangs zunächst einmal längere Zeit auf der Suche nach der Tankanzeige. Dazu habe ich auch erst einmal durch die Untermenüs des Infotainmentsystems geblättert – und wurde einfach nicht fündig. Bis ich dann in einer ungewöhnlicheren Fahrsituation zufällig rechts hinter dem Lenkrad noch die Anzeige für die Tankanzeige, die Restreichweite und die Öltemperatur erblicken konnte. Naja, wenn man weiß, dass man sich da ein bisschen strecken muss…

Porsche 911 Carrera in herbstlicher Landschaft von vorne
Foto: Driven Luxury Cars

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Porsche 911 Carrera: Leistung und technische Daten

Wir testen den Porsche 911 Carrera in einer Zeit des PS-Wettrüstens, das gegenwärtig in der Autowelt stattfindet und damit einen Kontrapunkt zur Schlagzeile „Auto-Industrie in der Krise“ setzt. Die Frage, die sich bei einem Sportwagen wie dem Porsche 911 Carrera – nicht nur in unserem Test – stellt, ist ja in einschlägigen Kreisen und bei potentiellen Käufern, ob die Leistung des Zuffenhausener Basismodells überhaupt ausreicht, um das Siegel „Sportwagen“ zu rechtfertigen, unter dem er verkauft wird. Sie liegt nämlich bei 385 PS. Das sind zwar 15 PS mehr als beim Vorgängermodell 991. Aber es sind in der heutigen Zeit eigentlich nicht unbedingt besonders viele Pferde, wenn man sich bei der Konkurrenz umschaut. Im eigenen Stall hat der größere Bruder Carrera S zum Beispiel schon 450 PS; der BMW M2 Competition, der ab gerade einmal 50.050 € beim BMW-Händler steht und damit weniger als die Hälfte des 911 Carrera kostet, hat deren 410; da wäre auch der Mercedes-Benz A45 AMG, dessen 387 PS ab 54.406 € angeboten werden. Beides Kompaktwagen, beide mit mehr Leistung als die Ikone, beide mit dem halben Preisschild. Kann der Porsche 911 als Carrera da also mithalten?

Porsche 911 Carrera in herbstlicher Agrarlandschaft von hinten
Foto: Driven Luxury Cars

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Der Porsche 911 ist auch als Carrera sehr sportlich

Die Fahreindrücke sagen ganz eindeutig: Oh ja, und wie. Dreht man den „Mode-Schalter“ von „Normal“ auf „Sport Plus“ und bittet die Launch-Control um Starthilfe, sprintet man nicht nur in 4,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h, sondern spürt auch eine Längsbeschleunigung, die fast im Wortsinn schon atemberaubend ist. Beim sehr sportlichen Fahren auf verlassenen, hügeligen Landstraßen im oberbayerischen Hinterland, wenn sich scharfes Bremsen und brachiales Durchbeschleunigen aus engen Kehren heraus abwechseln, spürt man als Fahrer die Fliehkräfte vor allem am Gehirn, das, je nach Fahrsituation, in die verschiedenen Enden des Schädels gedrückt wird. Hinzukommen die Querbeschleunigungskräfte, die man dank des hervorragenden Fahrwerks erfährt, das den 911 auch als Carrera auf dem Asphalt kleben lässt, als führe er auf seiner eigenen Magnetschwebebahn. Bei manchen Kurven wähnt man die Wirkkräfte der Physik außer Kraft gesetzt und fragt sich, wie die Porsche-Ingenieure dieses Kunststück vollbringen konnten.

Porsche 911 Carrera Interieur
Foto: Driven Luxury Cars

Test- und Fahrbericht des Porsche 911 Carrera

Anfahrt bergab auf eine 80-Grad-Rechtskurve, hohes Tempo – zu hoch? Voll in die Eisen steigen, die im Testwagen nicht aus Stahl, sondern aus einem Keramik-Kohlefaser-Verbundwerkstoff bestehen (8.936,90 € Aufpreis), um das Schlimmste zu verhindern. Schaffe ich die Kurve noch? Ich bereite mich schon aufs Untersteuern und einen möglichen Kontakt mit der Leitplanke vor, doch der Porsche bleibt wie auf Schienen in der eigenen Spur, kratzt nicht mal an der Mittellinie und nimmt die Kurve ohne Murren, eher mit einem Schulterzucken. Die Bremsanlage und das ABS sind perfekt abgestimmt. Da wo andere Autos definitiv untersteuernd ins Unglück gerutscht wären, hat der 911 Carrera Grip ohne Ende und paart dies mit einer einmaligen Spurtreue. Als Fahrer bin ich begeistert von dieser Ingenieurskunst, der Abstimmungsarbeit am Fahrwerk und der Perfektion, mit der hier zu Werke gegangen wurde und die man Porsche nicht mehr vorwerfen sollte.

Porsche 911 Carrera Detailaufnahme rechter Vorderwagen mit Felge und Bremse von rechts
Foto: Driven Luxury Cars

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Wie kommt es, dass man sich solche Fahrmanöver zutraut? Man hat schon nach dem ersten Einsteigen und den ersten zurückgelegten Metern Vertrauen ins Auto. Der Elfer ist ein hervorragendes Alltagsfahrzeug. So traut man sich von Kurve zu Kurve mehr zu und nähert seinen fahrerischen Grenzbereich dem technischen des Autos langsam an. Am Ende des Wochenendes gelingen dann im Sport-Plus-Modus mit (nicht komplett) abgeschaltetem ESP auch schöne Drifts aus engen Kurven heraus.

Porsche 911 Carrera vor altem Bauernhaus
Foto: Driven Luxury Cars

Fahreindrücke und Motorsound des Porsche 911 Carrera in unserem Video

Michelin Alpin Pilot Winterreifen tragen zum guten Fahrgefühl im Porsche 911 Carrera bei

Ein Lob haben sich auch die Michelin Alpin Pilot Winterreifen verdient, die auf den vorne 20 und hinten 21 Zoll großen Rädern montiert sind. Auch bei den einstelligen Temperaturen, die während unserer Testfahrten geherrscht haben, entwickelten die Pneus hervorragend viel Grip an Vorder- und Hinterachse im Trockenen und sorgten auch auf pitschnasser Regenfahrbahn dafür, dass der Carrera seine Kraft sicher auf die Straße bringen konnte und Überholmanöver auf der Landstraße keine Kamikaze-Aktion waren. Insgesamt haben hier alle Komponenten im Zusammenspiel einen extrem guten Job gemacht, das Fahrwerk genauso wie das Heckmotorlayout und die eben angesprochenen Reifen.

Porsche 911 Carrera Detailaufnahme Heck von schräg rechts hinten
Foto: Driven Luxury Cars

Der Motorsound im Porsche 911 Carrera ist sehr Sportwagen-like

Zu den faktischen und gefühlten Fahrleistungen kommt noch ein weiterer Faktor hinzu, der für eine extrem hohe Emotionalität beim 911-Fahren sorgt und bei dem man im Vorfeld – das Stichwort relativ geringe Leistung beim 911 Carrera sei noch einmal erwähnt – vielleicht ein wenig skeptisch war: Der Motorsound. Wie unbegründet diese Sorgen waren, zeigt sich aber eigentlich schon gleich beim Anlassen des drei Liter großen 6-Zylinder-Boxers. Das Rasseln und Röhren und die willige Gasannahme jedes noch so kleinen Zuckens mit dem rechten Fuß macht schon im Stand Spaß. Und erst recht ist das Hochbeschleunigen mit offenem Klappen-Sportauspuff (2.606,10 € extra) in jedem der Fahrmodi vor allem auch soundtechnisch eine wahre Freude. Dabei geht aber nicht die Langstreckentauglichkeit verloren, denn auch bei 180 oder 210 km/h auf der Autobahn wird es nie zu laut im Auto. Überhaupt ist der Porsche 911 Carrera ein Auto, in dem man überhaupt nicht merkt, dass man 200 km/h auf der Autobahn fährt. Die Geschwindigkeit fühlt sich absolut angenehm und kinderleicht zu beherrschen an. Ein unglaublich gutes Gefühl und ein kaum zu begreifendes Erlebnis. Bei Landstraßentempo hört man im Normalmodus und mit geschlossenen Auspuffklappen quasi gar nichts und kann entspannt dahin cruisen.

Porsche 911 Carrera Interieur Schalttafel
Über den neuen kleinen Gangwahlhebel wurde schon viel geschrieben. In der Praxis bewährt sich der stummelhafte Schalter aber. Foto: Driven Luxury Cars

Das Getriebe im Porsche 911 Carrera

Der Motorsound ist indes kein so guter Ratgeber, wenn es darum geht, den richtigen Schaltpunkt zu finden. Sicher, dazu muss die Automatik mit dem „M“-Knopf zuerst einmal in den manuellen Modus umgestellt werden. Dann aber fühlt man sich auch im Einstiegs-Elfer wie in einem Rennauto. Wo liegt nun das Problem? Dass man sich, auf der Suche nach dem richtigen Moment zum Gangwechsel nicht auf sein Gehör verlassen kann. Denn die Soundkulisse des 6-Zylinder-Boxers ist, vor allem beim sportlichen Ausdrehen der Gänge, absolut hinreißend, beeindruckend und höchst emotional, eigentlich egal, ob man die Klappen der empfehlenswerten aufpreispflichtigen Sportabgasanlage gerade offen hat oder nicht. Dennoch will man zu früh hochschalten, eben weil das angenehme Geschrei aus dem Heck so atemberaubend schön und sportlich laut ist und man die Leistungsfähigkeit des Turbo-Motors zunächst unterschätzt. So will man eigentlich schon bei spätestens 6.500 Umdrehungen am Schaltpaddle zupfen, während locker nochmal 1.000 Umdrehungen mehr drin sind, bevor der rote Bereich anfängt. Aber vielleicht ließe sich dieses „Problem“ ja auch einfach mit einer längeren Eingewöhnungsphase, sprich: mit einem Kauf, beheben.

Porsche 911 Carrera Detailaufnahme Rechter Scheinwerfer mit eingeschaltetem Tagfahrlicht
Foto: Driven Luxury Cars

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Übrigens sollte man damit rechnen, dass es beim Beschleunigen doch manchmal eine Bedenksekunde braucht, bis die Leistung voll abgerufen werden kann. Und zwar dann, wenn man zum Beispiel auf der Landstraße mit 90 km/h im Normalmodus hinter jemandem herfährt. Bis die Leistung voll anliegt und alle Gänge runtergeschaltet sind, dauert es in dieser Konstellation einen kleinen Moment. Wer den nicht verleben möchte, dreht den Mode-Schalter rechtzeitig in den Sportmodus und kann sofort durchstarten.

Porsche 911 Carrera rechte Seitenansicht in herbstlicher Landschaft
Foto: Driven Luxury Cars

Spracherkennung und Infotainment-System im neuen Porsche 911 Carrera

Das Infotainmentsystem ist einfach und intuitiv zu bedienen. Noch leichter als über den großen Touchscreen lassen sich die Einstellungen aber auch über die Spracherkennung ändern. Die versteht unerwarteter Weise auch Äußerungen wie "Mir ist kalt" und stellt dann mit einer Bestätigung ("Gleich wird es wärmer") die Temperatur hoch. Auch die Zielführung des Navis lässt sich so bedienen. Das ist sehr angenehm, da man dann die Hände am Lenkrad lassen kann.

Porsche 911 Carrera auf altem Bauernhof
Foto: Driven Luxury Cars

Der Verbrauch in unserem Test des Porsche 911 Carrera

An unerwarteter Stelle war ich überrascht vom Porsche 911 Carrera: beim Verbrauch. Der lag bei der aktuellen Generation 992 in unserem Test bei 11,7 Litern im Schnitt und damit in verträglichen Regionen, angesichts unserer sehr sportlichen Fahrweise. Die Werksangabe von neun Litern im Schnitt lässt sich wahrscheinlich einhalten, wenn man immer sparsam fährt, das Automatikgetriebe schaltet ja im Normal-Modus schon mal bei 40 km/h in den sechsten Gang und sorgt dann für spritsparende knapp 1.000 Umdrehungen pro Minute. Aber einen Porsche kauft man eben nicht, weil man in erster Linie auf den Verbrauch achtet, sondern weil man einen Sportwagen fahren will.

Noch mehr Fotos vom Porsche 911 Carrera (992) in der Bildergalerie

Fazit unseres Porsche-911-Carrera-Tests

Angesichts des PS-Wettrüstens ist der Porsche 911 Carrera ein Auto für Menschen, die ein großes Selbstbewusstsein haben und denen es nichts ausmacht, wenn ein hochgezüchteter Kompaktwagen auf der linken Spur vorbei will. Man gönnt es deren Fahrern und setzt souverän rechts den Blinker. Denn man weiß, dass man in einem ganz besonderen Auto sitzt. Und in dem ist die Welt noch in Ordnung.

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Foto Christian Finke

Christian Finke
CEO AIL Leasing & Finance

„Wir sind Ihr kompetenter Ansprechpartner zum Thema »Porsche 911«. Gerne unterbreiten wir Ihnen ein individuelles Angebot.“