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Paul Stephens Porträt Foto: Paul Stephens Ltd.
Artikel Erstellt Aktualisiert

Die englische Porsche-Koryphäe für besondere Ansprüche

Porsche 911 nach Maß: Paul Stephens im Interview

Paul Stephens holt die Essenz alter Porsche 911 heraus: Wenig Gewicht, viel Fahrspaß. Im Interview verrät er, wie

Wenige Menschen schaffen es, sich auf ihrem Gebiet einen so guten Ruf zu erarbeiten, dass man sie als Koryphäe bezeichnen kann. Paul Stephens ist so ein Mensch. Der Engländer baut seit 1994 in seiner eigenen Werkstatt vor den Toren Londons historische Porsche 911 neu auf. Seine Expertise erarbeitete sich der Autoenthusiast zuvor lange Jahre auch als Rennfahrer. Jetzt erfüllt er sich und seinen Kunden ihre Wünsche mit höchstem Qualitätsanspruch. So schürft er nach dem Speziellen in den Stuttgarter Sportwagen. Im Interview erzählt Paul Stephens, wie es dazu kam und was man von der Firma Paul Stephens als Kunde und Autofan erwarten darf.

Driven Luxury Cars: Wie wurde der Porsche 911 zu Ihrem Liebilngsauto?

Paul Stephens: Ich bin auf einem sehr weitläufigen Grundstück auf dem Land aufgewachsen. Mit sechs Jahren durfte ich zum ersten Mal Auto fahren, den Land Rover meiner Eltern. Ein tolles Erlebnis für einen kleinen Jungen! Mit neun Jahren bin ich dann erstmals selbst einen Porsche 911 gefahren – auf einem Flugplatz. Ich habe auf 100 Meilen pro Stunde beschleunigt (Anm.: 161 km/h) und war von dem Moment an hin und weg. Ich war richtiggehend infiziert von diesem Auto und wusste von da an, dass ich nichts anderes mehr fahren wollte.

Schwarzer Porsche 911 fährt auf Landstraße, schräg rechts vorne
Paul Stephens will seit Kindertagen nichts anderes fahren als den Porsche 911. Foto: Paul Stephens Ltd.

Driven Luxury Cars: Wie ging es dann weiter?

Paul Stephens: Ich habe zunächst einmal angefangen, Autos zu kaufen und dann mit Gewinn weiterzuverkaufen. Hauptsächlich britische Sportwagen-Marken wie MGB oder Triumph. So habe ich mir das Geld für meinen ersten Elfer verdient, einen 911 E. Mehr als das Standardmodell der frühen 911er konnte ich mir damals noch nicht leisten, ich war auch erst 21, aber es war mir trotzdem wichtig, mir diesen Traum zu erfüllen. Ich habe den Wagen später verkauft und wollte ihn nach Jahren wieder zurückzukaufen. Leider habe ich dann erfahren, dass er einen irreparablen Unfallschaden hatte. Ich habe deshalb nach einem anderen Auto gesucht, das meinem ersten möglichst ähnlich war. Bis auf die silberne Lackierung ist er fast identisch mit meinem ersten 911 E.

Ein Porsche 911 wird Ihnen keine Kopfschmerzen bereiten, wie ein Ferrari oder ein Brite.

Driven Luxury Cars: Sehen Sie den 911er eher als Auto für die Rennstrecke oder nutzen Sie ihn auch im Alltag?

Paul Stephens: Nun, es gibt sicher Autos, die eine Disziplin besonders gut beherrschen. Jaguar baut zum Beispiel sehr gute Rennwagen, die Philosophie von Lotus‘ Colin Chapman, möglichst leicht und schnörkellos zu bauen, um möglichst pures Fahren zu ermöglichen, ist natürlich großartig. Aber der Porsche 911 kann das im Prinzip auch – während man damit gleichzeitig seine Frau und die Kinder mitnehmen und Gepäck einpacken kann, zum Skifahren fahren kann. Außerdem ist er äußerst zuverlässig. Gerade das bekommen sie bei den britischen Autos oder bei Ferrari so nicht geboten, die bereiten einem eher mal Kopfschmerzen.

Oranger und silberner Porsche 911 im Anschnitt im Showroom von Paul Stephens
Foto: Paul Stephens Ltd.

Driven Luxury Cars: Welches 911-Modell mögen Sie am liebsten und warum?

Paul Stephens: Ich kann mich da gar nicht auf ein bestimmtes Modell festlegen. Es ist eher eine andere Ära, für die ich mich begeistere. Die alten Autos, wie zum Beispiel das G-Modell. Moderne Autos sind super zu fahren, technisch ausgereift, quasi schon perfekt. Jedoch kann man gar nicht mehr das Limit erfahren, weil sie so gut sind. Man kann die Fähigkeiten, die sie mitbringen, gar nicht mehr ausnutzen, sie nicht mehr richtig ausreizen, weil der Grenzbereich im Lauf der Zeit so weit nach oben verschoben worden ist.

Bei alten Autos spürt man mehr. Sie fordern und fördern den Sportfahrer in dir.

Driven Luxury Cars: Und das war früher anders?

Paul Stephens: Ja, ganz eindeutig. Bei den alten Autos spürt man mehr. Man kann mehr mit der Gewichtsverlagerung spielen und das dann auf der Rennstrecke zu seinem Vorteil nutzen, wenn man den Wagen mithilfe ihres eigenen Gewichts um die Kurven wirft. Besonders bei Modellen mit einem kurzen Radstand ergibt sich daraus einfach ein einzigartiges Fahrgefühl, das etwas ganz Besonderes ist und dich als Fahrer auch noch mehr fordert – und gleichzeitig unglaublich viel Spaß macht.

Driven Luxury Cars: Wie kamen Sie auf die Idee, Porsche-911-Modelle Werkszustand hinaus verbessern?

Paul Stephens: 1994 führten wir unser altes Geschäftsmodell fort: Wir kauften Autos ein und verkauften sie mit Gewinn weiter. Allerdings handelten wir dann bereits mit Porsches. Ganz am Anfang waren ein oder zwei 2.7 RS. Mich hat es gereizt, die Leistung modernerer Autos in der Hülle von klassischen Modellen unterzubringen. 2002 haben wir dieses Konzept dann in die Tat umgesetzt und mit dem Bau eines 964 im Retro-Stil angefangen. Das Auto war damals nicht sehr beliebt, für 8.000 Pfund gab es schon Modelle, die besten für 20.000 Pfund. Wir haben dann einen Motor aus einem 993 mit 300 PS in einen 964 eingebaut, dessen Karosserie-Styling an den 2.7 RS angelehnt war.

Alter, schwarzer Porsche 911 Targa steht vor Paul Stephens Fabrik
Dies sind die heiligen Hallen von Paul Stephens in England. Foto: Paul Stephens Ltd.

Driven Luxury Cars: Und das ist dann zu Ihrem Markenzeichen geworden?

Paul Stephens: Genau. Es ist mir immer sehr wichtig, den Retro-Stil in die Moderne zu übersetzen, auch aus verschiedenen Epochen. Ich nehme die Teile aus den verschiedenen 911er-Modellen und setze sie zu einem stimmigen neuen Stück zusammen. Aus alt und neuer mach neu, sozusagen.

Wir bieten nicht nur Retro-Umbauten, sondern auch Inspektion, Instandhaltung und Reparatur an.

Driven Luxury Cars: Sind Sie schon immer auch Autorennen gefahren?

Paul Stephens: Nein, ich habe auch etwas Seriöses gelernt. Ich habe Maschinenbau studiert und dann als Angestellter gearbeitet. Nebenher habe auch damals schon viel an Autos gearbeitet. Irgendwann reifte in mir aber der Wunsch, etwas Kreatives und Eigenes zu machen. 1994 habe ich mich dann selbstständig gemacht.

Blick in einen von Paul Stephens modifizierten Porsche 911
Foto: Paul Stephens Ltd.

Driven Luxury Cars: Reden wir doch gleich ein wenig über die Firma "Paul Stephens", Mr. Stephens. Welche Art von Service bieten Sie Ihren Kunden an?

Paul Stephens: Natürlich bieten wir auch die Basics wie Inspektion, Reparaturen, Instandhaltung und so weiter. Hauptsächlich für alte Porsche-Modelle, ganz egal ob 356er oder 911er. Neulich hatten wir auch einen 550 Spyder. Und dann haben wir noch das PS Autoart Programm ...

Unsere Autos sind immer auf den Fahrer ausgerichtet. Wir wollen so viel Performance wie möglich aus dem Auto herausholen.

Driven Luxury Cars: Was hat es mit dem PS Autoart Programm auf sich?

Paul Stephens: In diesem Rahmen bieten wir die von uns umgebauten Porsches an. Uns geht es immer darum, Autos zu bauen, die voll und ganz auf den Fahrer ausgerichtet sind. Wir sind dabei quasi bis zum Exzess detailverliebt und widmen jedem Projekt höchste Aufmerksamkeit. Unsere Autos sollen Understatement vermitteln. Man soll ihnen ihre Leistungsfähigkeit nicht unbedingt ansehen. Alles an unseren Autos ist darauf ausgelegt, so viel Performance wie möglich aus dem Auto herauszuholen – und das auf gediegene Art.

Driven Luxury Cars: Wie schaffen Sie das?

Paul Stephens: Gewichtsreduktion ist alles, wenn man gleichzeitig die Kraft beibebehält. Das hilft in wirklich jeder Hinsicht. Die Bremsen, die Reifen, die Felgen – alles kann kleiner werden, wenn das Auto leichter ist, ohne Kompromisse bei der Leistung eingehen zu müssen. Das merkt man beim Fahren sofort. Auch wenn man es dem Auto nicht ansieht. Beim Le Mans Classic Clubsport konnten wir die Bremsscheiben zum Beispiel verkleinern. Jetzt sind sie vorne sieben und hinten acht Zoll groß.

Paul Stephens im Gespräch mit Kollegen, im Vordergrund ein in Wartung befindlicher Motor
Alles geschieht hier mit viel Liebe zum Detail und mit größter Aufmerksamkeit. Foto: Paul Stephens Ltd.

Driven Luxury Cars: Erfüllen Sie jeden Kundenwunsch nach individuellen Anpassungen?

Paul Stephens: In diesem Rahmen ist so gut wie alles möglich. Aber uns ist definitiv ein klassischer Ansatz wichtig. Wenn jemand einen giftgrünen Lack mit pinken Ledersitzen verlangen würde, müssten wir passen. Zudem sind wir eine bestimmte Modellpalette fokussiert. Außerdem sollte bei dem jeweiligen Modell der Kern erhalten bleiben. Das Auto wird dann natürlich zusammen mit dem Kunden individuell gefertigt. Wir schätzen Qualität. Das fertige Auto muss dann passen wie ein gutes Paar Schuhe.

Das fertige Auto muss passen wie ein gutes Paar Schuhe.

Driven Luxury Cars: Bedienen Sie Kunden aus der ganzen Welt?

Paul Stephens: Ja. Sie könnten theoretisch auch einfach online bestellen. Aber man sollte eigentlich schon sehen, was man kauft. Die Zulassungskriterien sind natürlich in jedem Land anders, das ist bisweilen eine Herausforderung. Wir hatten zum Beispiel jüngst einen indonesischen Kunden. Das war nicht ganz einfach. Letztlich haben wir auch das geschafft. Grundsätzlich achten wir aber auch stets darauf, dass die Identität unserer Autos erhalten bleibt, dass man sie als Werke von Paul Stephens erkennen kann. Diesen Standard wollen wir nicht verwässern.

Drei Porsche 911, Detailschnitt
Foto: Paul Stephens Ltd.

Driven Luxury Cars: Bis zu welchem Modell legen Sie Hand an den 911?

Paul Stephens: Bis zum 993, also dem letzten luftgekühlten Modell.

Qualität hat für uns oberste Priorität. Da gehen wir keine Kompromisse ein. We don't do "ok".

Driven Luxury Cars: Welche Stückzahlen stellen Sie normalerweise von Ihren Fahrzeugen her?

Paul Stephens: Nur eine Handvoll pro Jahr. Es werden sicherlich niemals hunderte pro Jahr werden. Beim Le Mans Classic Clubsport wird es zwei Jahre dauern, alle Modelle zu bauen. Man kann sagen, dass es etwa 2.000-2.500 Arbeitsstunden dauert, eines unserer Autos zu bauen. Natürlich macht dieser Zeit- und Arbeitsaufwand die Autos auch teurer. Aber für uns hat die Qualität einfach oberste Priorität. Da gehen wir auch keine Kompromisse ein, denn am Ende steht unser Name auf dem Auto. Dadurch entgeht uns natürlich auch so manches Geschäft – einigen Kunden sind unsere Preis zu hoch. Damit müssen wir leben.

Weißer Porsche 911 mit orangen Felgen und Seitenstreifen
Foto: Paul Stephens Ltd.

Driven Luxury Cars: Wie darf man sich den Arbeitsprozess vorstellen?

Paul Stephens: Bei jedem Auto fangen wir mit dem Rohbau an, der in den Neuzustand versetzt werden muss. Es ist unser Ziel, eine Korrosionsschutz-Garantie für sechs Jahre bzw. 100.000 Meilen geben zu können. Insgesamt erfordert das alles ein Höchstmaß an Zeit und Hingabe. Das kann man wohl nur nachvollziehen, wenn man schon selbst ein Auto gebaut hat. Unsere Autos sind technisch in einem einwandfreien Zustand – aber naturgemäß auch nicht fabrikneu. Andererseits sind sie natürlich wesentlich mehr als nur bloße Restauration.

Um ein Auto aufzubauen, brauchen wir 2.000 bis 2.500 Arbeitsstunden. "Originalität" ist dabei ein sehr großes Wort.

Driven Luxury Cars: Bei historischen Fahrzeugen spielt ja auch die Originalität immer eine große Rolle als Bewertungskriterium. Inwiefern beeinflusst das Ihr Vorgehen beim Wiederaufbau eines Fahrzeugs?

Paul Stephens: „Original“ ist ein sehr großes Wort. Zu sagen, „das ist ein originales Auto“ ist äußerst schwierig. Bei uns erhalten Sie in jedem Fall absolute Transparenz. Natürlich versuchen wir auf „matching numbers“ zu achten. Aber wenn ein 72er Auto einen 74er Motor hat: Stört das wirklich die Originalität? Wir haben über die vielen Jahre ein enormes Fachwissen gesammelt und können zwischen einem gut erhaltenen und gepflegten Auto und einem heruntergewirtschafteten sehr gut unterscheiden. Der Markt für maßgeschneiderte, individuell gefertigte Autos ist zudem ein anderer als der für die Menschen, die Originalität lieben. Es gab mal vor ungefähr einem Jahr einen Scheunenfund in Beirut. Ein Entenbürzel, Carrera 2.7 RS, oder auch „Beirut RS“ von 1973. Bei so einem Auto kann man wohl davon sprechen, dass wirklich noch alles original ist. Da wurde ja noch nie etwas dran gemacht. Aber das würde zwar vielleicht unserem Anspruch an „weniger ist mehr“ und unserem Understatement, jedoch eben nicht unserem Anspruch an Qualität und unserer Liebe zum Detail beim Aufbau eines Wagens gerecht.

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Foto Christian Finke

Christian Finke
CEO AIL Leasing & Finance

„Wir sind Ihr kompetenter Ansprechpartner zum Thema »Porsche«. Gerne unterbreiten wir Ihnen ein individuelles Angebot.“