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Jaguar E-Type Lightweight Competition von 1963 Der Jaguar E-Type Lightweight Competition von 1963. Foto: RM Sotheby's
Artikel Erstellt Aktualisiert

Über die Suche nach dem richtigen Classic-Car-Investment

Classic-Car-Experte Oliver Grimme im Interview (Teil II)

Oliver Grimme von der HVB erklärt, welche Schritte er unternimmt, um für jeden Kunden das richtige Auto zu finden

Oliver Grimme betreut für den Private-Banking-Bereich der Hypovereinsbank das Ressort "Classic Cars". Im zweiten Teil des Driven-Luxury-Cars-Interviews gewährt Grimme Einsicht in sein verschwiegenes Tagesgeschäft, in dem jede Autobeschaffung präzisen Einblick in die speziellen Präferenzen und Bedürfnisse der Kundschaft verlangt. Überdies folgt auch der Markt für exklusive und seltene Automobile seinen eigenen Gesetzen – zumal dort, wie auch auf dem Kustmarkt, gewiefte Fälscher ihr Unwesen treiben.

Driven Luxury Cars: Kommen wir zum konkreten Fahrzeugkauf. Wie gehen Sie vor, wenn ein Kunde mit einem Kaufgesuch an Sie herantritt?

Oliver Grimme: Grundsätzlich ist es nicht unser Ansatz, Empfehlungen der Marke „Kaufen Sie Auto A oder Auto B“ zu geben. Meine Aufgabe ist es, die Vorstellungen des Kunden zu eruieren, herauszuhören, was für ihn emotional und finanziell Sinn macht und ihn dann dabei bestmöglich zu begleiten. Ich gehe mit dem Kunden gemeinsam bis zu 50 Fragen durch. So klären wir beispielsweise seine Markenaffinität, die gewünschte Alltagstauglichkeit des Fahrzeugs, oder ob das Auto auch bei Rallyes zum Einsatz kommen soll. Und natürlich: ob auch die Gattin von dem Vorhaben weiß – erfahrungsgemäß ist das nicht von Nachteil (lacht). Haben wir auf diese Weise ein Fahrzeug eingegrenzt, das alle Kundenwünsche erfüllt, setzen wir eine anonyme Suchanfrage über unser unabhängiges Netzwerk ab. Auf die Anonymität legen wir besonderen Wert – nicht jeder Kunde will schließlich auf dem Markt in Erscheinung treten.

Driven Luxury Cars: Die Suche nach dem passenden Auto läuft also ganz traditionell über das vielzitierte Szene-Netzwerk?

Oliver Grimme: In einigen Fällen ja. Natürlich könnte man meinen, dass heutzutage eine Internetsuche nach dem gewünschten Fahrzeug ausreicht. Allerdings sind die dort gefundenen Fahrzeuge teilweise schwer zu beurteilen, gerade in puncto „Qualität im Detail“, schlimmstenfalls aber sogar im Hinblick auf die Echtheit des Stücks. Klassische Automobile sind eben keine Neuwagen mit einem Listenpreis. Einige Fahrzeuge werden auch gar nicht offen am Markt angeboten.

Klassische Automobile sind keine Neuwagen mit einem Listenpreis.

Driven Luxury Cars: Also erübrigt sich der Blick auf Online-Verzeichnisse?

Oliver Grimme: Wenn man ein bestimmtes Fahrzeug im Auge hat, schadet es sicher nicht, sich im Vorfeld schon einmal online umzutun. Man sollte sich vorher schon ein paar Gedanken machen, sonst verliert man sich schnell in der Vielzahl der Angebote. Wenn das Interesse konkreter wird, empfehlen wir in jedem Fall, auch einen unabhängigen Sachverständigen hinzuzuziehen.

Driven Luxury Cars: Welche Indices eignen sich für so eine Recherche?

Oliver Grimme: Der „HAGI Top 50 Index“ erfasst beispielsweise die Fahrzeuge bestimmter Marken wie Porsche oder Ferrari ab einem Wert von 120.000 Euro. Einen breiteren Überblick bietet der „Dox“ (Deutscher Oldtimer Index, Red.), der über 80 Modelle unterschiedlicher Größenordnung zusammenfasst und somit eine relativ breite Abbildung des Marktes bietet. Grundsätzlich bieten solche Indices einen guten Überblick über die durchschnittliche Wertentwicklung. Vergleiche des Dox mit dem Dax sind aber in meinen Augen wenig aufschlussreich. Der Dax ist ein regulierter Markt, auf dem täglich gehandelt werden kann, während der Dox lediglich eine jährliche Durchschnittsbetrachtung abbildet. Kurzum: Eine Grundentwicklung und allgemeine Stimmungen kann man an diesen Indices durchaus ablesen. Beim konkreten Kauf zählt aber das Einzelobjekt. Denn die Bewertung einzelner Fahrzeuge kann vom Durchschnittswert erheblich abweichen.

Oliver Grimme, Spezialist für Classic Cars bei der Hypovereinsbank
Oliver Grimme, Spezialist für Classic Cars bei der Hypovereinsbank

Driven Luxury Cars: Welche Faktoren können solche Abweichungen bedingen?

Oliver Grimme: Hat ein Fahrzeug beispielsweise „nur“ den Zustand „zwei“, dafür aber einen prominenten Vorbesitzer, 20.000 originale Kilometer oder sind alle Werkstattbelege seit der Auslieferung vorhanden, dann liegt der Fall sicherlich völlig anders als bei einem komplettrestaurierten Fahrzeug im Zustand „1“, dessen Tacho-Stand möglicherweise nicht so leicht nachzuvollziehen ist.

Driven Luxury Cars: Bedeutet wohl auch: man kommt wohl kaum umhin, vor dem Kauf einen Sachverständigen hinzuzuziehen. Können Sie entsprechende Kontakte vermitteln?

Oliver Grimme: Natürlich. Über unser engmaschiges Netzwerk können wir Kontakte zu Gutachtern, aber natürlich auch zu Händlern und Sammlern vermitteln. Hier agieren wir als Mittler.

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Driven Luxury Cars: Stichwort „Sachverständiger“: Auf dem Kunstmarkt sind nahezu perfekte Fälschungen nicht gerade eine Seltenheit. Ist dieses Phänomen auch auf dem Classic-Car-Markt zu beobachten?

Oliver Grimme: Leider ja. Seltene Vorkriegsmodelle waren davon zuerst betroffen. Inzwischen werden aber durchaus auch modernere Wagen verändert, beispielsweise Porsche-RS-Modelle. Immerhin gibt es heutzutage einige Methoden, die erlauben, das Alter von Fahrzeugteilen besser zu bestimmen – beispielsweise über die Materialien. Professionelle Fälscher haben allerdings schon vor Jahrzehnten damit begonnen, Stahl aus den 20er und 30er Jahren für den Aufbau von Chassis zu nutzen. So wurden teils aus einem Auto drei gemacht: Eins mit dem originalen Chassis, eins mit dem originalen Motor und eins mit der originalen Karosserie. SSKs von Mercedes wären neben anderen ein typisches Beispiel, hier kursiert der Spruch: „Von ehemals 24 gebauten Fahrzeugen sind noch 120 im Einsatz.“ Die Kunst ist dann herauszufinden, welches dieser Fahrzeuge wie original ist.

Professionelle Fälscher haben schon vor Jahrzehnten damit begonnen, Stahl aus den 20er und 30er Jahren für den Aufbau von Chassis zu nutzen.

Driven Luxury Cars: Wie geht man vor, wenn man die Echtheit eines Fahrzeuges möglichst zweifelsfrei nachweisen will?

Oliver Grimme: Im ersten Schritt gilt es natürlich, die Stimmigkeit der Historie, die ebenfalls verfälscht werden kann, zu überprüfen. Hier empfiehlt es sich, die Archive der Hersteller zu bemühen. Einige Hersteller verfügen über sehr detaillierte Recherchemöglichkeiten. Bei einigen ist allerdings in den Wirren des letzten Krieges auch einiges verloren gegangen. Insgesamt verschafft man sich nach Möglichkeit eine Einschätzung der Plausibilität einer Fahrzeughistorie. Auch lässt sich die Authentizität durch den intensiven Einsatz technischer Hilfsmittel, wie resonanzmagnetische Untersuchungen oder einer Probe des metallurgischen Fingerabdrucks über Materialentnahmen verifizieren.

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Driven Luxury Cars: Man kommt den Fälschern also letztlich doch auf die Spur?

Oliver Grimme: Man kann das meiste ausschließen, eine 100-Prozent-Quote erreicht man leider nicht immer. Das ist nicht anders als bei Kunstwerken. So gibt es Kunstfälscher, die gerne betonen, dass einige ihrer Werke noch heute unerkannt in Museen und Galerien hängen.

Driven Luxury Cars: Neben klassischen Automobilen interessieren sich viele Sammler auch für limitierte Sportwagen oder Supercars. Gibt es Berührungspunkte zwischen beiden Märkten oder sind beide völlig separat zu betrachten?

Oliver Grimme: Früher waren diese beiden Bereiche eher getrennt, während sie heute zunehmend verschmelzen. Luxushersteller wie Porsche, Ferrari oder Aston Martin verstehen es natürlich sehr geschickt, durch stark limitierte Kleinserien Begehrlichkeiten bei Sammlern zu wecken.

Porsche, Ferrari oder Aston Martin verstehen es sehr geschickt, durch stark limitierte Kleinserien Begehrlichkeiten bei Sammlern zu wecken.

Driven Luxury Cars: Wie gehen Sie bei der Beschaffung dieser limitierten Fahrzeuge vor?

Oliver Grimme: Ganz so einfach ist das nicht. Auch wir können nicht beim Hersteller anrufen und drei Exemplare eines limitierten Sportwagens reservieren. Oft gibt es im Netzwerk aber Menschen, die ein solches Fahrzeug erhalten und sich nach einer vorgegebenen Frist wieder davon trennen. Wer in der Hoffnung auf schnelle Rendite schnell weiterverkauft und die Sperrfristen nicht beachtet, wird schnell in der Gunst der Hersteller fallen. Dann sind die Chancen auf eine Berücksichtigung für die nächste Edition sehr gering, wenn nicht aussichtslos.

Driven Luxury Cars: Nochmals zurück zu den Kunden und der emotionalen Rendite: Werden klassische Automobile auch heute noch aus Leidenschaft gekauft und dann auch bewegt – oder verschwinden die meisten Autos in einer sicheren Garage?

Oliver Grimme: Der finanzielle Aspekt sollte in meinen Augen nie der alleinige Fokus sein. Freude am Thema und Bezug zum Fahrzeug sollten vorhanden sein. Ich würde auch keinem Kunden empfehlen, sich alleine in der Hoffnung auf eine Wertsteigerung Bilder an die Wand zu hängen, die ihm gar nicht gefallen. Wer mit einem alten Ferrari durch München fährt, wird viele positive Reaktionen erleben und kommt mit den Menschen ins Gespräch – das ist sicher ein Grund, warum diese Autos auch gerne gefahren werden.

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Driven Luxury Cars: Allerdings steigt durch Bewegung des Autos auch der Kilometerstand …

Oliver Grimme: Letztlich muss sich jeder fragen, wie er sein Auto nutzen will. Man kann durchaus auch einen Porsche 911 aus den 1970er Jahren als Alltagsfahrzeug nutzen. Dann werden ein paar Kilometer mehr zusammenkommen. Die meisten beschränken sich aber eher auf Wochenend-Nutzung oder Ausfahrten und kommen so maximal auf 2-3.000 Kilometer im Jahr. In dieser Region wiederum ist die Bewegung nicht schädlich – sogar ganz im Gegenteil: Bei einem Verkauf kann es sich durchaus positiv auswirken, wenn ein Auto mit einer gewissen Konstanz gefahren wurde und folglich keine Standschäden vorhanden sind. Grundsätzlich gilt: Autos wollen bewegt werden, dafür sind sie gebaut!

Autos wollen bewegt werden, dafür sind sie gebaut!

Driven Luxury Cars: Auch ein Unfall kann das Investment gefährden …

Oliver Grimme: Natürlich sollte man sich absichern! Es kann sicher nicht schaden, vorher über eine passende Versicherung nachzudenken und ggf. auch Faktoren wie „Wiederherstellungswert“, einen zu erwartenden Wertzuwachs oder „Allrisk-Abdeckung“ in die Überlegungen miteinzubeziehen. Am Ende ist so ein Fahrzeug aber natürlich oft auch ein Stück weit ein vollwertiges Familienmitglied – bei einem Totalschaden kann das Geld den ideellen Schaden nie gänzlich ersetzen. Zumal sich gleichwertiger Ersatz oft nur schwer beschaffen lässt.

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Driven Luxury Cars: Zusammenfassend lässt sich wohl sagen: wer überhaupt keine emotionale Verbindung zur Materie „Classic Cars und Sportwagen“ hat, sollte sein Geld in Ihren Augen lieber anderswo investieren?

Oliver Grimme: Richtig. Unsere Aufgabe besteht darin, die Kunden mit unserem Netzwerk beim Kauf zu unterstützen und darüber das Risiko solcher Käufe möglichst zu minimieren. Für Kunden, die ausschließlich nach reinen Spekulationsobjekten suchen, sind wir nicht unbedingt der passende Partner.

Driven Luxury Cars: Herr Grimme, wir danken für das Gespräch!