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Mehrere Ferrari 250 GTO versammeln sich anlässlich des 70. Jahrestages der Marke nach einer Rally vor einer italienischen Villa Foto: Ferrari
Artikel Erstellt Aktualisiert

Genie und Scharfsinn

Wie Enzo Ferrari seine eigene Legende schuf

Der Gründer der Marke mit dem sich aufbäumenden Pferd hatte stets klare Ziele und eine klare Meinung.

Enzo Ferrari (1898 – 1988) glaubte daran, dass man die wichtigsten Dinge im Leben mit wenigen Worten auf den Punkt bringen kann. Daher hinterließ er eine ganze Sammlung von spitzfindigen Pointen, mit denen er zeitlebens - und darüber hinaus - seine Sicht der Dinge darlegte. Dabei war er sich nicht zu schade, auch sich selbst ins Visier zu nehmen. Die Selbstkritik, und dass er auch persönlich stets nur mit dem Maximum zufrieden war, sind hervorstechende Charakteristika des italienischen Autopioniers.

“Ich habe noch niemanden kennengelernt, der so stur ist wie ich. Ich habe in der Tat kein Interesse an einem Leben jenseits des Rennautos.”

Nicht nur in der Formel 1: Enzo Ferrari wollte immer die Nummer 1 sein

Enzo Ferrari, in jungen Jahren, sitzt auf diesem Sepiafoto lächelnd hinter dem großen Lenkrad eines nicht im Bild sichtbaren Autos

Die Geschichte seiner „Scuderia Ferrari“ ist heute, 70 Jahre nach ihrer Gründung, derartig imposant, dass der dazugehörige Wikipedia-Artikel die Länge eines mittleren Romans erreicht. Ferrari ist beispielsweise der einzige Rennstall, der bisher in jeder Formel 1 Saison an den Start ging.

Selbstverständlich ist man dabei mit den meisten Siegen auch das erfolgreichste F1-Team aller Zeiten. Alles andere wäre für Enzo Ferrari nämlich schlicht undenkbar gewesen.

“Niemand erinnert sich daran, wer Zweiter wurde und das werde ICH niemals sein.”



Aber auch außerhalb der Rennstrecke wurde Enzos Familienname zum Mythos. Bei den Straßensportwagen gibt es ebenfalls fast keinen Rekord, der nicht von einem Ferrari gehalten wird.

“Jeder träumt davon, einen Ferrari zu fahren. Das war von Anfang an meine Absicht.”



Ferrari 290 MM alias 28 Million Dollar Lady auf Straße stehend fotografiert, schräg links vorne
Dieser 290 MM von 1956 ist bekannt als "$28 Million Dollar Lady", benannt nach dem Auktionspreis. Gebaut für Juan Manuel Fangio überstand er acht Jahre Renneinsätze ohne Unfall. Foto: Ferrari

Dieser Plan ging mehr als auf: Die Summen, die für seltene Ferraris bezahlt werden, sind astronomisch. Das wurde selbst den Erbauern irgendwann zu bunt: Seit Enzos Tod legen sie in den Kaufverträgen ihrer Sondermodelle einige Bedingungen für deren Weiterverkauf fest. Damit handelt man in Maranello ganz im Sinne des Meisters, denn sein Credo lautete:

“Der Kunde hat NICHT immer Recht.”

Dass seine automobilen Kreationen für die meisten Menschen sowieso unerreichbar bleiben, war dem Maestro dabei durchaus klar.

„Der Ferrari ist ein Traum – die Leute träumen davon, dieses spezielle Fahrzeug zu besitzen. Und für die meisten wird es ein Traum bleiben.

Enzo Ferrari: Auto-Erfinder durch und durch

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Dagegen helfen auch seine berühmten Understatements nicht.

„Ich baue Motoren und schraube Räder dran.”

Letzteres ist allerdings insofern wahr, als dass für Enzo die Motorenentwicklung die Königsdisziplin des Automobilbaus war.

„Aerodynamik ist für Leute, die keine Motoren bauen können.”

Selbst über seinen eigenen Tod riss der „Commendatore“ gern markige Sprüche.

„Ein Mann ist alt, wenn er morgens ohne Wunsch aufwacht.“



Ferrari F40 auf Rennstrecke fahrend schräg rechts vorne, Hintergrund in Bewegungsunschärfe
Enzos "letzte Liebschaft": Der F40. Foto: Ferrari

Seinen eigenen letzten Wunsch konnte der Signore sich sogar im hohen Alter noch erfüllen:

„Ich möchte ein Auto bauen, das schneller ist als alle anderen und dann möchte ich sterben.”

Der F40, der anlässlich des 40-jährigen Firmenjubiläums entwickelt wurde und den Enzo kurz vor seinem Tod noch fertig stellen konnte, gilt als der beste Sportwagen seiner Zeit. Er ist heute eine Legende, genauso wie sein Schöpfer, Enzo Ferrari.

Autor

Portrait von Christoph Eichholz

Christoph Eichholz -

Redakteur Driven Luxury Cars