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4 Porsche 911 Carrera GTS Coupé und Cabrio Foto © Porsche
Artikel Erstellt Aktualisiert

Stammbaum einer Legende

Die Porsche-911-Modellgeschichte erklärt: Das große Elfer-Wiki

Wieso heißen die Porsche 911 Modelle eigentlich Carrera, Targa, Turbo oder GT3 RS? Dieses 911-Wiki verrät es Ihnen

Den Porsche 911 kennt jedes Kind. Und wer Porsche sagt, der meint auch genau dieses Auto, selbst wenn die Zuffenhausener heute mit den Modellen Cayenne und Macan mehr SUVs verkaufen als den reinrassigsten ihrer Markenbotschafter. Doch wie genau kennen Sie eigentlich den „Elfer“? Denn auch bei dem klassischen Sportcoupé gibt es eine ganze Menge verschiedener einzelner Modelltypen. Da kann es durchaus schon mal schwerfallen, den Überblick zu behalten zwischen dem 991, 996 und 997 GT3 oder dem GT3 und dem GT3 RS. Und was ist nochmal mit dem Porsche Turbo?

Vor dem 911 war der Porsche 901

Das Geburtsjahr des Porsche 911 ist 1963. In diesem Jahr wurde er auf der IAA in Frankfurt vorgestellt – als Porsche 901 und als Nachfolger des in die Jahre gekommenen Porsche 356. Da aber die Markenrechte für dreistellige Zahlen mit einer Null in der Mitte schon bei Peugeot lagen, wurde der Wagen in „911“ umbenannt. Eine Ikone war geboren. Ab 1964 wurde er dann verkauft, heute spricht man bei diesem Modell vom „Ur-Typ“, „Urmodell“ oder „Ur-Elfer“.

Weißer Porsche 911 Urtyp stehend vor einer Reihe 356er
Fast ein wenig brav sieht der 911 der ersten Generation aus. Im Hintergrund einige Porsche 356. Foto © Porsche

Die ersten 911 Modelle

Der Wagen hieß damals noch schlicht „Porsche 911“. Die Versionen mit mehr Leistung firmierten als „911 S“ (Super), während eine Einstiegsversion mit reduzierter Ausstattung und Leistung „911 T“ (Touring) genannt wurde. Im Zuge der Markteinführung des 911 T wurde der Standard-Elfer in „911 L“ (Luxus) umbenannt, sodass man die Wahl zwischen drei 911 Modellen hatte. Nach einer Motoren- und Modellüberarbeitung, bei der vor allem die Leistung angehoben wurde, wurde der 911 L in "911 E" umbenannt. Außerdem gab es Mitte bis Ende der 60er Jahre ein nochmals leistungsreduziertes Auto namens „912“, das den Preisunterschied, der im Vergleich zum Vorläufer 356 aufgelaufen war, verringern sollte.

Porsche 911 Urmodell blau schräg links hinten auf Wiese stehend
Foto © Porsche

Entenbürzel: Der legendäre 911 Carrera RS 2.7

Ein noch sportlicheres Modell als der 911 S kam 1973 auf den Markt, hörte auf den Namen Carrera RS 2.7 und basierte auf den normalen Porsche 911 und 911 S. Heute wird er wegen seines besonderen Heckspoilers auch liebevoll "Entenbürzel" genannt. Das Konzept, auf dem auch noch die modernen GT3- und GT3-RS-Modelle basieren, sah vor, im Vergleich mit den normalen Elfern mehr Leistung mit weniger Gewicht zu kombinieren. So wurde zum Beispiel auf ein Ersatzrad, Dämmmaterial oder ausstellbare Heckseitenscheiben verzichtet, um Gewicht zu sparen. Außerdem wurden Dünnbleche und GFK-Teile verbaut, um noch mehr Kilos einzusparen. Heutige Modelle verzichten zum Beispiel auch auf konventionelle Türgriffe und haben stattdessen nur eine Stoffschlaufe, mit der man die Tür zuzieht.

Porsche 911 Carrera RS 2.7
Das Topmodell der ersten Serie, das noch heute heiß begehrt ist: Porsche 911 Carrera RS 2.7 mit Entenbürzel und Rennsportambitionen. Foto © Porsche

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Das Porsche 911 G-Modell wurde am längsten gebaut

Die erste Überarbeitung des Porsche 911 erfolgte im Jahr 1973, als das sogenannte „G-Modell“ als Nachfolger vorgestellt wurde. Diese Variante wurde bis 1989 gebaut. In diesen 16 Jahren Bauzeit hat das G-Modell das Bild des Porsche 911 entscheidend geprägt. 1974 erschien auf dieser Basis der erste Porsche mit Turbomotor, der 911 Turbo, mit 3,0-Liter Hubraum. „Der Turbo“, wie er heute oft schlicht genannt wird, war mit 250 km/h damals das schnellste deutsche Auto aus Serienproduktion mit Straßenzulassung. Er ist aber auch mit einem zickigen Fahrverhalten in Erinnerung geblieben, denn damals gab es auch noch ein ausgiebiges „Turboloch“: Die volle Leistung trat erst ab einem bestimmten Drehzahlbereich ein – dann aber urplötzlich und vehement unerwartet. Diese überraschende Brutalität ist berüchtigt.

Frühes Porsche 911 G-Modell auf Rollfeld vor aus einer Propellermaschine aussteigenden Geschäftsleuten
Ein frühes Porsche 911 G-Modell in der aus damaliger Werbersicht angemessenen Umgebung. Foto © Porsche

Der Weg des Porsche 911 Turbo S

Heute ist der Porsche Turbo – und sein nochmals leistungsstärkerer Bruder, der Porsche 911 Turbo S – immer noch die Speerspitze der Modellreihe, was die reinen Leistungsdaten wie Beschleunigung und Endgeschwindigkeit angeht. Das aktuelle Modell 991 Turbo S etwa schafft mit seinem Allradantrieb und der enormen Traktion den Sprint von 0-100 km/h in nur 2,9 Sekunden, der Vortrieb endet erst bei 330 km/h. Anders als die GT-Modelle ist der Turbo aber nicht unbedingt für die Rennstrecke ausgelegt. Da stört der Allradantrieb mit seinem Zusatzgewicht an der Vorderachse in schnellen Kurven eher und lässt nicht so hohe Kurvengeschwindigkeiten zu. Der Porsche 911 Turbo ist eher der luxuriöseste 911, den man fahren kann – und mit dem man dennoch quasi alles andere stehen lässt.

Sechs Porsche 911 Turbos aus sechs aufeinander folgenden Generationen nebeneinander bis zum 997
Die verschiedenen Porsche 911 Turbo-Modelle vom G-Modell bis zum 997 Turbo. Foto © Porsche

Schärfster Elfer überhaupt: Der Porsche 911 GT2 RS

Vom Turbo wiederum ist der Porsche 911 GT2 RS abgeleitet. Er ist die ultimative Fahrmaschine aus dem Hause Porsche und hat Ende 2017 den Rundenrekord für Fahrzeuge mit Straßenzulassung auf der Nürburgring Nordschleife pulverisiert. Auch hier besteht das Konzept darin, mehr Leistung – 700 PS statt 580 im Turbo S – mit weniger Gewicht – 1.470 kg (1.440 mit Weissach-Paket) im Vergleich zu 1.600 – zu koppeln. Eine umfangreichere Verspoilerung sorgt für den nötigen Anpressdruck in den schnellsten Kurven und der Antrieb erfolgt nurmehr über die Hinterachse. Allerdings ist dieses Spitzenmodell nicht ohne Weiteres erhältlich. Offiziell war der GT2 RS zwar nicht limitiert, aber ausverkauft war er dennoch schon vor seiner Vorstellung im Sommer 2017. Der stärkste Elfer aller Zeiten und der König der Grünen Hölle ist eben sehr stark begehrt – um es vorsichtig auszudrücken. So stark, dass der Kaufpreis von über 285.000 € für die Basisversion nicht bedeutet, dass man später weniger, sondern durch den mit Sicherheit steigenden Preis, mehr Geld auf dem Konto haben wird. Denn die Nachfrage und die Faszination übersteigen das Angebot bei Weitem. Das war schon beim Vorgänger 997 GT2 RS zu beobachten, bei dem aus 240.000 € bis zu 750.000 € wurden. Welche Geldanlage bietet schon so eine Rendite (über 200 Prozent) und garantiert so viel pure Freude?

Zwei Porsche 991 911 GT2 RS (gelb und blau) nebeneinander auf einer Rennstrecke fahrend
Der König der Nordschleife: Kein straßenzugelassenes Auto war jemals schneller als der Porsche 911 GT2 RS der Baureihe 991. 6 Minuten und 47 Sekunden standen im Herbst 2017 auf der Uhr. Foto © Porsche

Das Porsche 911 Wiki

Der GT2 RS ist also die Rennversion des Porsche Turbo, während der GT3 RS die Rennversion des Porsche 911 Carrera ist. Wer aber ist der 911 Carrera? Der Beiname „Carrera“ war früher den besonders sportlichen Modellen vorbehalten. „Carrera“ ist dabei schlicht das spanische Wort für „Rennen“. Und nach einer erfolgreichen Teilnahme am „Carrera Panamericana“ in den 1950ern in Mexiko erhielt der 911 diese Zusatzbezeichnung. Der „Targa“ hat eine ähnliche Geschichte, aber dazu später mehr.

Diese Porsche Typen gibt es

In der Liste fehlt noch der „911 SC“ (Super Carrera). So hießen in den 70er und 80er Jahren die stärker motorisierten Standard-Elfer. Heute firmieren sie als „Carrera S“ über dem Einstiegsmodell 911 Carrera. Doch auch hier gibt es seitens Porsche ein Update, denn seit 2017 wird wieder ein „911 Carrera T“ als Einstiegsmodell mit reduzierter Ausstattung, aber vollem Fahrvergnügen angeboten. Die Leistung ist mit dem Carrera identisch. Deutlich leistungsgesteigert zeigt sich im Vergleich der Porsche 911 Carrera GTS. (Lesen Sie hier den Fahrbericht.) Er ist das Bindeglied zwischen den normalen Elfern und den GT3- sowie GT3-RS-Porsches.

Porsche 911 Targa Urtyp blau
Einer der frühen 911 Targa, basierend auf dem Ur-Elfer. Foto © Porsche

Der Sonne hinterher in den offenen Porsches Targa und 911 Cabrio

Die bisher beschriebenen Autos haben alle die Karosserieform Coupé. Porsche bietet den 911 aber auch als Cabrio sowie als „Targa“, eine Art Coupé mit herausnehmbarem Dach, an. Wieso aber gibt es eigentlich diese eigentümliche Karosserieform? Porsche wollte eigentlich schon Ende der 1960er Jahre ein 911 Cabriolet auf den Markt bringen. Allerdings herrschten in den USA sehr strenge Sicherheitsvorschriften, die es quasi unmöglich machten, ein Cabrio verkaufen zu dürfen. Die Lösung bestand für Porsche darin, ein besonderes Coupé zu bauen: Das Dach konnte in einem Stück über den Sitzen herausgenommen werden. Es war zwischen der Windschutzscheibe und dem „Targabügel“, einer Art Überrollbügel, befestigt. Es gab keine C-Säule, sondern das Heck war ähnlich einer Glaskuppel gestaltet, durch die man – fast wie im Cabrio – freie Sicht nach hinten hatte. Bei einigen Modellen ließ sich die Heckscheibe sogar ganz versenken. Dadurch konnte man zumindest einen Großteil des Frischlufterlebnisses, das Cabrio-Fahren ausmacht, ins Cockpit holen. Seinen Namen hat der 911 Targa von der wiederholten erfolgreichen Teilnahme von Porsche an dem ehemaligen italienischen Rennen „Targa Florio“. 1982 wurde dann – auf Grundlage des G-Modells – der erste komplett offene Porsche seit fast 20 Jahren vorgestellt. Das Cabrio gibt es heute als Carrera, Carrera S, Carrera GTS, Turbo und Turbo S; den Targa gibt es nur als Carrera, Carrera S und Carrera GTS.

Weißes Porsche 911 SC Cabriolet G-Modell
Eines der ersten Porsche 911 Cabrios überhaupt macht bella figura unter Palmen. Foto © Porsche

Die Porsche 911 Modelle mit Allradantrieb

Den Porsche 911 gibt es auch mit Allradantrieb für die meisten Modelle. Vor allem bei schlechten Straßen- bzw. Fahrbahnverhältnissen stellt dies eine sinnvolle Alternative zum standardmäßigen Heckantrieb des Sportwagenklassikers dar. Die Leistung könnte sonst vor allem im Winter teils zu viel, um noch galant voranzukommen. Erkennbar sind die Modelle mit vier angetriebenen Rädern an der „4“ im Namen. Erhältlich ist die Ausstattungsvariante für den Carrera, Carrera S und Carrera GTS sowie für die Cabrios. So ist zum Beispiel der Porsche 911 Carrera 4 GTS mit Allradantrieb unterwegs. Der Porsche Turbo und der Turbo S haben standardmäßig Allradantrieb, ebenso der Targa, den es nur als Targa 4, 4 S oder 4 GTS gibt, während die GT3- und GT2-Modelle immer über die Hinterachse angetrieben werden.

Mehrere Porsche 911 in verschneiter skandinavischer Nacht
Bei einem Fahrevent in Skandinavien wurden die bestechenden Eigenschaften des Porsche Allradantriebs erfahrbar. Foto © Porsche

Was hat es mit den Porsche 911 Baureihen auf sich?

Aufmerksamen Lesern wird nicht entgangen sein, dass der 911 auch schon mal 991 oder 997 genannt worden ist. Dies liegt darin begründet, dass die 911er der verschiedenen Baureihen und Bauzeiten auseinandergehalten werden wollen. Die Form ist ja quasi seit dem Debüt unverändert erhalten geblieben. Eine Orientierungshilfe tut hier also ganz gut. Die aktuelle Baureihe, die seit 2011 gefertigt wird, heißt beispielsweise „991“. Noch genauer gesagt „991.2“, denn 2015 erfolgte eine umfangreiche Modellüberarbeitung, ein sogenanntes Facelift. Im November 2018 wird dann schon der neue 911 namens "992" der Weltöffentlichkeit präsentiert. Zuvor firmierte der 911 als „997“ (2004-2012), der wiederum auf den „996“ (1997-2006) und dessen Vorgänger namens „993“ (1993-1998) gefolgt war. Von 1989 bis 1994 wurde der 911 der Baureihe „964“ gebaut. Die Modelle bis 1989 werden, wie schon erwähnt, „G-Modell“ genannt. Am Anfang war der "Ur-Elfer".

Jetzt dürfte, um es mit den Worten Karl Valentins auszudrücken, alles zur Namensgebung des Porsche 911 gesagt sein – wenn auch noch nicht von allen.
Porsche 911 verschiedener Baureihen im Uhrzeigersinn von links oben: Ur-Elfer, G-Modell, 964, 993, 996
Porsche 911 verschiedener Baureihen im Uhrzeigersinn von links oben: Ur-Elfer, G-Modell, 964, 993, 996. Foto © Porsche

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Foto Christian Finke

Christian Finke
CEO AIL Leasing & Finance

„Wir sind Ihr kompetenter Ansprechpartner zum Thema »Porsche«. Gerne unterbreiten wir Ihnen ein individuelles Angebot.“